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Wilhelm Meisters Lehrjahre

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Teig mit einer Bürste auf ihre Westen und Beinkleider, ohne sie auszuziehen, und stellten also die Reinlichkeit  ihrer  Garderobe  auf  das  schnellste  wieder her. Unserm Freunde, der sich über diese Handgriffe wunderte, fiel der weiß bestäubte und befleckte Rock des Pedanten ein; der Verdacht wurde um soviel stärker, als er erfuhr, daß einige Verwandte des Barons sich unter der Gesellschaft befänden. Um  diesem  Verdacht  näher  auf  die  Spur  zu  kommen,  suchte  er  die  jungen  Herren  mit  einem kleinen Frühstücke zu beschäftigen. Sie waren sehr lebhaft und erzählten viele lustige Geschichten. Der  eine  besonders,  der  eine  Zeitlang  auf  Werbung  gestanden,  wußte  nicht  genug  die  List  und Tätigkeit seines Hauptmanns zu rühmen, der alle Arten von Menschen an sich zu ziehen und jeden nach seiner Art zu überlisten verstand. Umständlich erzählte er, wie junge Leute von gutem Hause und sorgfältiger Erziehung durch allerlei Vorspiegelungen einer anständigen Versorgung betrogen worden, und lachte herzlich über die Gimpel, denen es im Anfange so wohlgetan habe, sich von einem  angesehenen,  tapferen,  klugen  und  freigebigen  Offizier  geschätzt  und  hervorgezogen  zu sehen. Wie segnete Wilhelm seinen Genius, der ihm so unvermutet den Abgrund zeigte, dessen Rande er sich unschuldigerweise genähert hatte. Er sah nun in Jarno nichts als den Werber; die Umarmung de fremden Offiziers war ihm leicht erklärlich. Er verabscheuete die Gesinnungen dieser Männer und     vermied     von     dem     Augenblicke,     mit     irgend     jemand,     der     eine     Uniform     trug, zusammenzukommen, und so wäre ihm die Nachricht, daß die Armee weiter vorwärtsrücke, sehr angenehm  gewesen,  wenn  er  nicht  zugleich  hätte  fürchten  müssen,  aus  der  Nähe  seiner  schönen Freundin, vielleicht auf immer, verbannt zu werden. Zwölftes Kapitel Inzwischen hatte die Baronesse mehrere Tage, von Sorgen und einer unbefriedigten Neugierde gepeinigt,  zugebracht.  Denn  das  Betragen  des  Grafen  seit  jenem  Abenteuer  war  ihr  ein  völliges Rätsel. Er war ganz aus seiner Manier herausgegangen; von seinen gewöhnlichen Scherzen hörte man keinen. Seine Forderungen an die Gesellschaft und an die Bedienten hatten sehr nachgelassen. Von  Pedanterie  und  gebieterischem  Wesen  merkte  man  wenig,  vielmehr  war  er  still  und  in  sich gekehrt,  jedoch  schien  er  heiter  und  wirklich  ein  anderer  Mensch  zu  sein.  Bei  Vorlesungen,  zu denen er zuweilen Anlaß gab, wählte er ernsthafte, oft religiöse Bücher, und die Baronesse lebte in beständiger Furcht, es möchte hinter dieser anscheinenden Ruhe sich ein geheimer Groll verbergen, ein  stiller  Vorsatz,  den  Frevel,  den  er  so  zufällig  entdeckt,  zu  rächen.  Sie  entschloß  sich  daher, Jarno  zu  ihrem  Vertrauten  zu  machen,  und  sie  konnte  es  um  so  mehr,  als  sie  mit  ihm  in  einem Verhältnisse stand, in dem man sich sonst wenig zu verbergen pflegt. Jarno war seit kurzer Zeit ihr entschiedener   Freund;   doch   waren   sie   klug   genug,   ihre   Neigung   und   ihre   Freuden   vor   der lärmenden Welt, die sie umgab, zu verbergen. Nur den Augen der Gräfin war dieser neue Roman nicht  entgangen,  und  höchstwahrscheinlich  suchte  die  Baronesse  ihre  Freundin  gleichfalls  zu beschäftigen,  um  den  stillen  Vorwürfen  zu  entgehen,  welche  sie  denn  doch  manchmal  von  jener edlen Seele zu erdulden hatte. Kaum  hatte  die  Baronesse  ihrem  Freunde  die  Geschichte  erzählt,  als  er  lachend  ausrief:  »Da glaubt  der  Alte  gewiß,  sich  selbst  gesehen  zu  haben!  Er  fürchtet,  daß  ihm  diese  Erscheinung Unglück,   ja   vielleicht   gar   den   Tod   bedeute,   und   nun   ist   er   zahm   geworden   wie   alle   die Halbmenschen, wenn sie an die Auflösung denken, welcher niemand entgangen ist noch entgehen wird. Nur stille! Da ich hoffe, daß er noch lange leben soll, so wollen wir ihn bei dieser Gelegenh eit wenigstens  so  formieren,  daß  er  seiner  Frau  und  seinen  Hausgenossen  nicht  mehr  zur  Last  sein soll.« 96
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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