Title:

Wilhelm Meisters Lehrjahre

Home
deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>|
  Wir empfehlen:       
 

Zitterndes,  das  glücklicherweise  dem  Inhalt  der  Geschichte  gemäß  war.  Der  Graf  gab  einigemal freundliche Zeichen des Beifalls und lobte den besondern Ausdruck der Vo rlesung, da er zuletzt unsern Freund entließ. Eilftes Kapitel Wilhelm  hatte  kaum  einige  Stücke  Shakespeares  gelesen,  als  ihre  Wirkung  auf  ihn  so  stark wurde, daß er weiter fortzufahren nicht imstande war. Seine ganze Seele geriet in Bewegung. Er suchte Gelegenheit, mit Jarno zu sprechen, und konnte ihm nicht genug für die verschaffte Freude danken. »Ich  habe  es  wohl  vorausgesehen«,  sagte  dieser,  »daß  Sie  gegen  die  Trefflichkeiten  des außerordentlichsten und wunderbarsten aller Schriftsteller nicht unempfindlich bleiben würden.« »Ja«,  rief  Wilhelm  aus,  »ich  erinnere  mich  nicht,  daß  ein  Buch,  ein  Mensch  oder  irgendeine Begebenheit  des  Lebens  so  große  Wirkungen  auf  mich  hervorgebracht  hätte  als  die  köstlichen Stücke, die ich durch Ihre Gütigkeit habe kennenlernen. Sie scheinen ein Werk eines himmlischen Genius  zu  sein,  der  sich  den  Menschen  nähert,  um  sie  mit  sich  selbst  auf  die  gelindeste  Weise bekannt  zu  machen.  Es  sind  keine  Gedichte!  Man  glaubt  vor  den  aufgeschlagenen  ungeheuren Büchern des Schicksals zu stehen, in denen der Sturmwind des bewegtesten Lebens saust und sie mit Gewalt rasch hin und wider blättert. Ich bin über die Stärke und Zartheit, über die Gewalt und Ruhe so erstaunt und außer aller Fassung gebracht, daß ich nur mit Sehnsucht auf die Zeit warte, da ich mich in einem Zustande befinden werde, weiterzulesen.« »Bravo«, sagte Jarno, indem er unserm Freunde die Hand reichte und sie ihm drückte, »so wollte ich es haben! Und die Folgen, die ich hoffe, werden gewiß auch nicht  ausbleiben.« »Ich  wünschte«,  versetzte  Wilhelm,  »daß  ich  Ihnen  alles,  was  gegenwärtig  in  mir  vorgeht, entdecken könnte. Alle Vorgefühle, die ich jemals über Menschheit und ihre Schicksale gehabt, die mich von Jugend auf, mir selbst unbemerkt, begleiteten, finde ich in Shakespeares Stücken erfüllt und entwickelt. Es scheint, als wenn er uns alle Rätsel offenbarte, ohne daß man doch sagen kann: hier oder da ist das Wort der Auflösung. Seine Menschen scheinen natürliche Menschen zu sein, und  sie  sind  es  doch  nicht.  Diese  geheimnisvollsten  und  zusammengesetztesten  Geschöpfe  der Natur handeln vor uns in seinen Stücken, als wenn sie Uhren wären, deren Zifferblatt und Gehäuse man von Kristall gebildet hätte, sie zeigen nach ihrer Bestimmung den Lauf der Stunden an, und man kann zugleich das Räder- und Federwerk erkennen, das sie treibt. Diese wenigen Blicke, die ich in Shakespeares Welt getan, reizen mich mehr als irgend etwas andres, in der wirklichen Welt schnellere  Fortschritte  vorwärts  zu  tun,  mich  in  die Flut der Schicksale zu mischen, die über sie verhängt sind, und dereinst, wenn es mir glücken sollte, aus dem großen Meere der wahren Natur wenige  Becher  zu  schöpfen  und  sie  von  der  Schaubühne  dem  lechzenden  Publikum  meines Vaterlandes auszuspenden.« »Wie  freut  mich  die  Gemütsverfassung,  in  der  ich  Sie  sehe«,  versetzte  Jarno  und  legte  dem bewegten Jüngling die Hand auf die Schulter. »Lassen Sie den Vorsatz nicht fahren, in ein tätiges Leben überzugehen, und eilen Sie, die guten Jahre, die Ihnen gegönnt sind, wacker zu nutzen. Kann ich Ihnen behülflich sein, so geschieht es von ganzem Herzen. Noch habe ich nicht gefragt, wie Sie in diese Gesellschaft gekommen sind, für die Sie weder geboren noch erzogen sein können. Soviel   hoffe ich und sehe ich, daß Sie sich heraussehnen. Ich weiß nichts von Ihrer Herkunft, von Ihren häuslichen  Umständen;  überlegen  Sie,  was  Sie  mir  vertrauen  wollen.  Soviel  kann  ich  Ihnen  nur sagen,   sie   Zeiten   des   Krieges,   in   denen   wir   leben,   können   schnelle   Wechsel   des   Glückes hervorbringen; mögen Sie Ihre Kräfte und Talente unserm Dienste widmen, Mühe und, wenn es not tut, Gefahr nicht scheuen, so habe ich eben jetzo eine Gelegenheit, Sie  an einen Platz zu stellen, den eine Zeitlang bekleidet zu haben Sie in der Folge nicht gereuen wird.«  Wilhelm konnte seinen Dank 94
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>| 

Back to the topic sites:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/G/goethe

External Links to this site are permitted without prior consent.
   
  Home  |  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Impressum