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Wilhelm Meisters Lehrjahre

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Stimme  die  verschiedenen  Rollen  hersagte.  Ihm  ward  nicht  schwer,  den  Vater  zu  bereden,  der einem Freunde aus Gefälligkeit zugestand, was er seinen Kindern aus Überzeugung abgeschlagen hatte. Genug, das Theater ward wieder aufgestellt, einige Nachbarskinder gebeten und das Stück wiederholt. Hatte ich das erstemal die Freude der Überraschung und des Staunens, so war zum zweiten Male die Wollust des Aufmerkens und Forschens groß. Wie das zugehe, war jetzt mein Anliegen. Daß die  Puppen  nicht  selbst  redeten,  hatte  ich  mir  schon  das  erstemal  gesagt;  daß  sie  sich  nicht  von selbst  bewegten,  vermutete  ich  auch;  aber  warum  das  alles  doch  so  hübsch  war  und  es  doch  so aussah,  als  wenn  sie  selbst  redeten  und  sich  bewegten,  und  wo  die  Lichter  und  die  Leute  sein möchten, diese Rätsel beunruhigten mich um desto mehr, je mehr ich wünschte, zugleich unter den Bezauberten  und  Zauberern  zu  sein,  zugleich  meine  Hände  verdeckt  im  Spiel  zu  haben  und  als Zuschauer die Freude der Illusion zu genießen. Das  Stück  war  zu  Ende,  man  machte  Vorbereitungen  zum  Nachspiel,  die  Zuschauer  waren aufgestanden   und   schwatzten   durcheinander.   Ich   drängte   mich   näher   an   die   Türe   und   hörte inwendig am Klappern, daß man mit Aufräumen beschäftigt sei. Ich hub den untern Teppich auf und guckte zwischen dem Gestelle durch. Meine Mutter bemerkte es und zog mich zurück; allein ich  hatte  doch  soviel  gesehen,  daß  man  Freunde  und  Feinde,  Saul  und  Goliath  und  wie  sie  alle heißen  mochten,  in  einen  Schiebkasten  packte,  und  so  erhielt  meine  halbbefriedigte  Neugierde frische Nahrung. Dabei hatte ich zu meinem größten Erstaunen den Lieutenant im Heiligtume sehr geschäftig erblickt. Nunmehr konnte mich der Hanswurst, sosehr er mit seinen Absätzen klapperte, nicht unterhalten. Ich verlor mich in tiefes Nachdenken und war nach dieser Entdeckung ruhiger und unruhiger als vorher. Nachdem ich etwas erfahren hatte, kam es mir erst vor, als ob ich gar nichts wisse, und ich hatte recht: denn es fehlte mir der Zusammenhang, und darauf kommt doch eigentlich alles an.« Funftes Kapitel »Die  Kinder  haben«,  fuhr  Wilhelm  fort,  »in  wohleingerichteten  und  geordneten  Häusern  eine Empfindung, wie ungefähr Ratten und Mäuse haben mögen: sie sind aufmerksam auf alle Ritzen und Löcher, wo sie zu einem verbotenen Naschwerk gelangen können; sie genießen es mit einer solchen verstohlnen, wollüstigen Furcht, die einen großen Teil des  kindischen Glücks ausmacht. Ich war vor allen meinen Geschwistern aufmerksam, wenn irgend ein Schlüssel steckenblieb. Je größer die Ehrfurcht war, die ich für die verschlossenen Türen in meinem Herzen herumtrug, an denen  ich  wochen-  und  monatelang  vorbeigehen  mußte  und  in  die  ich  nur  manchmal,  wenn  die Mutter das Heiligtum öffnete, um etwas herauszuholen, einen verstohlnen Blick tat, desto schneller war   ich,   einen   Augenblick   zu   benutzen,   den   mich   die   Nachlässigkeit   der   Wirtschafterinnen manchmal treffen ließ. Unter allen Türen war, wie man leicht erachten kann, die Türe der Speisekammer diejenige, auf die meine Sinne am schärfsten gerichtet waren. Wenig ahnungsvolle Freuden des Lebens glichen der  Empfindung,  wenn  mich  meine  Mutter  manchmal  hineinrief,  um  ihr  etwas  heraustragen  zu helfen,  und  ich  dann  einige  gedörrte  Pflaumen  entweder  ihrer  Güte  oder  meiner  List  zu  danken hatte. Die aufgehäuften Schätze übereinander umfingen meine Einbildungskraft mit ihrer Fülle, und selbst der wunderliche Geruch, den so mancherlei Spezereien durcheinander aushauchten, hatte so eine  leckere  Wirkung  auf  mich,  daß  ich  niemals  versäumte,  sooft  ich  in  der  Nähe  war,  mich wenigstens  an  der  eröffneten  Atmosphäre  zu  weiden.  Dieser  merkwürdige  Schlüssel  blieb  eines Sonntagmorgens, da die Mutter von dem Geläute übereilt ward und das ganze Haus in einer tiefen Sabbatstille lag, stecken. Kaum hatte ich es bemerkt, als ich etlichemal sachte an der Wand hin- und herging, mich endlich still und fein andrängte, die Türe öffnete und mich mit einem Schritt in der 9
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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