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Wilhelm Meisters Lehrjahre

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indem   der   Baron   das   erstemal   in   seinem   Leben   eines   seiner   Stücke,   mit   denen   er   ein Gesellschaftstheater schon belebt hatte, in den Händen wirklicher Sch auspieler und auf dem Wege zu  einer  anständigen  Vorstellung  sah,  war  er  von  dem  besten  Humor,  bewies  sich  freigebig  und kaufte  bei  jedem  Galanteriehändler,  deren  sich  manche  einstellten,  kleine  Geschenke  für  die Schauspielerinnen   und   wußte   den   Schauspielern   manche   Bouteille   Champagner   extra   zu verschaffen; dagegen gaben sie sich auch mit seinen Stücken alle Mühe, und Wilhelm sparte keinen Fleiß,  die  herrlichen  Reden  des  vortrefflichen  Helden,  dessen  Rolle  ihm  zugefallen  war,  auf  das genaueste zu memorieren. Indessen  hatten  sich  doch  auch  nach  und  nach  einige  Mißhelligkeiten  eingeschlichen.  Die Vorliebe des Barons für gewisse Schauspieler wurde von Tag zu Tag merklicher, und notwendig mußte  dies  die  übrigen  verdrießen.  Er  erhob  seine  Günstlinge  ganz  ausschließlich  und  brachte dadurch  Eifersucht  und  Uneinigkeit  unter  die  Gesellschaft.  Melina,  der  sich  bei  streitigen  Fällen ohnedem   nicht   zu   helfen   wußte,   befand   sich   in   einem   sehr   unangenehmen   Zustande.   Die Gepriesenen nahmen das Lob an, ohne sonderlich dankbar zu sein, und die Zurückgesetzten ließen auf   allerlei   Weise   ihren   Verdruß   spüren   und   wußten   ihrem   erst   hochverehrten   Gönner   den Aufenthalt  unter  ihnen  auf  eine  oder  die  andere  Weise  unangenehm  zu  machen;  ja  es  war  ihrer Schadenfreude  keine  geringe  Nahrung,  als  ein  gewisses  Gedicht,  dessen  Verfasser  man  nicht kannte,  im  Schlosse  viele  Bewegung  verursachte.  Bisher  hatte  man  sich  immer,  doch  auf  eine ziemlich feine Weise, über den Umgang des Barons mit den Komödianten aufgehalten, man hatte allerlei  Geschichten  auf  ihn  gebracht,  gewisse  Vorfälle  ausgeputzt  und  ihnen  eine  lustige  und interessante   Gestalt   gegeben.   Zuletzt   fing   man   an   zu   erzählen,   es   entstehe   eine   Art   von Handwerksneid zwischen ihm und einigen Schauspielern, die sich auch einbildeten, Schriftsteller zu  sein,  und  auf  diese  Sage  gründet  sich  das  Gedicht,  von  welchem  wir  sprachen  und  welches lautete wie folgt: Ich armer Teufel, Herr Baron, Beneide Sie um Ihren Stand, Um Ihren Platz so nah am Thron Und um manch schön’ Stück Ackerland, Um Ihres Vaters festes Schloß, Um seine Wildbahn und Geschoß. Mich armen Teufel, Herr Baron, Beneiden Sie, so wie es scheint, Weil die Natur vom Knaben schon Mit mir es mütterlich gemeint. Ich ward mit leichtem Mut und Kopf Zwar arm, doch nicht ein armer Tropf. Nun dächt ich, lieber Herr Baron, Wir ließen’s beide, wie wir sind: Sie blieben des Herrn Vaters Sohn, Und ich blieb’ meiner Mutter Kind, Wir leben ohne Neid und Haß, Begehren nicht des andern Titel, Sie keinen Platz auf dem Parnaß, Und keinen ich in dem Kapitel. Die   Stimmen   über   dieses   Gedicht,   das   in   einigen   fast   unleserlichen   Abschriften   sich   in verschiedenen  Händen  befand,  waren  sehr  geteilt,  auf  den  Verfasser  aber  wußte  niemand  zu mutmaßen, und als man mit einiger Schadenfreude sich darüber zu ergötzen anfing, erklärte sich Wilhelm sehr dagegen. 89
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB: Mit Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz, BeurkundungsG, BGB-Informationspflichten-Verordnung, Einführungsgesetz, ... und Wohnungseigentumsgesetz
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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