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Wilhelm Meisters Lehrjahre

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die  sie  mit  ihren  Affenpossen  unterhielt  und  dafür  täglich  etwas  geschenkt  bekam:  ein  Kleid  zu diesem Stücke wurde auch für sie zurechtegemacht; und weil sie von einer leichten, nachahmenden Natur  war,  so  hatte  sie  sich  bald  aus  dem  Umgange  der  Damen  soviel  gemerkt,  als  sich  für  sie schickte, und war in kurzer Zeit voll Lebensart  und guten Betragens geworden. Die Sorgfalt des Stallmeisters nahm mehr zu als ab, und da die Offiziere auch stark auf sie eindrangen und sie sich in einem so reichlichen Elemente befand, fiel es ihr ein, auch einmal die Spröde zu spielen und auf eine geschickte Weise sich in einem gewissen vornehmen Ansehen zu üben. Kalt und fein, wie sie war, kannte sie in acht Tagen die Schwächen des ganzen Hauses, daß , wenn sie absichtlich hätte verfahren können, sie gar leicht ihr Glück würde gemacht haben. Allein auch hier bediente sie sich ihres Vorteils nur, um sich zu belustigen, um sich einen guten Tag zu machen und impertinent zu sein, wo sie merkte, daß es ohne Gefahr geschehen konnte. Die Rollen waren gelernt, eine Hauptprobe des Stücks ward befohlen, der Graf wollte dabeisein, und  seine  Gemahlin  fing  an  zu  sorgen,  wie  er  es  aufnehmen  möchte.  Die  Baronesse  berief Wilhelmen heimlich, und man zeigte, je näher die Stunde herbeirückte, immer mehr Verlegenheit: denn es war doch eben ganz und gar nichts von der Idee des Grafen übriggeblieben. Jarno, der eben hereintrat, wurde in das Geheimnis gezogen. Es freute ihn herzlich, und er war geneigt, seine guten Dienste den Damen anzubieten. »Es wäre gar schlimm«, sagte er, »gnädige Frau, wenn Sie sich aus dieser   Sache   nicht   allein   heraushelfen   wollten;   doch   auf   alle   Fälle   will   ich   im   Hinterhalte liegenbleiben.« Die Baronesse erzählte hierauf, wie sie bisher dem Grafen das ganze Stück, aber nur immer stellenweise und ohne Ordnung erzählt habe, daß er also auf jedes Einzelne vorbereitet sei, nur stehe er freilich in Gedanken, das Ganze werde mit seiner Idee zusammentreffen. »Ich will mich«,  sagte  sie,  »heute  abend  in  der  Probe  zu  ihm  setzen  und  ihn  zu  zerstreuen  suchen.  Den Konditor habe ich auch schon vorgehabt, daß er ja die Dekorationen am Ende recht schön macht, dabei aber doch etwas Geringes fehlen läßt.« »Ich wüßte einen Hof«, versetzte Jarno, »wo wir so tätige und kluge Freunde brauchten, als Sie sind. Will es heute abend mit Ihren Künsten nicht mehr fort, so winken Sie mir, und ich will den Grafen  herausholen  und  ihn  nicht  eher  wieder  hineinlassen,  bis  Minerva  auftritt  und  von  der Illumination bald Sukkurs zu hoffen ist. Ich habe ihm schon seit einigen Tagen etwas zu eröffnen, das seinen Vetter betrifft und das ich noch immer aus Ursachen aufgeschoben habe. Es wird ihm auch das eine Distraktion geben, und zwar nicht die angenehmste.« Einige Geschäfte hinderten den Grafen, beim Anfange der Probe zu sein, dann unterhielt ihn die Baronesse.  Jarnos  Hülfe  war  gar  nicht  nötig.  Denn  indem  der  Graf  genug  zurechtzuweisen,  zu verbessern und anzuordnen hatte, vergaß er sich ganz und gar darüber, und da Frau Melina zuletzt nach seinem Sinne sprach und die Illumination gut ausfiel, bezeigte er sich vollkommen zufrieden. Erst als alles vorbei war und man zum Spiele ging, schien ihm der Unterschied aufzufallen, und er fing an nachzudenken, ob denn das Stück auch wirklich von seiner Erfindung sei. Auf einen Wink fiel  nun  Jarno  aus  seinem  Hinterhalte  hervor,  der  Abend  verging,  die  Nachricht,  daß  der  Prinz wirklich  komme,  bestätigte  sich,  man  ritt  einigemal  aus,  die  Avantgarde  in  der  Nachbarschaft kampieren  zu  sehen,  das  Haus  war  voll  Lärmen  und  Unruhe,  und  unsere  Schauspieler,  die  nicht immer  zum  besten  von  den  unwilligen  Bedienten  versorgt  wurden,  mußten,  ohne  daß  jemand sonderlich  sich  ihrer  erinnerte,  in  dem  alten  Schlosse  ihre  Zeit  in  Erwartungen  und  Übungen zubringen. Achtes Kapitel Endlich war der Prinz angekommen; die Generalität, die Stabsoffiziere und das übrige Gefolge, das  zu  gleicher  Zeit  eintraf,  die  vielen  Menschen,  die  teils  zum  Besuche,  teils  geschäftswegen einsprachen,   machten   das   Schloß   einem   Bienenstocke   ähnlich,   der   eben   schwärmen   will. 85
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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