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Wilhelm Meisters Lehrjahre

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werden  überwunden,  die  Mädchen  fliehen  und  werden  eingeholt.  Es  scheint  alles  im  Getümmel zugrunde  zu  gehen,  als  eine  Person,  über  deren  Bestimmung  der  Dichter  noch  ungewiß  war, herbeikommt und durch die Nachricht, daß der Heerführer nicht weit sei, die Ruhe wiederherstellt. Hier wird der Charakter des Helden mit den schönsten Zügen geschildert, mitten unter den Waffen Sicherheit  versprochen,  dem  Übermut  und  der  Gewalttätigkeit  Schranken  gesetzt.  Es  wird  ein allgemeines Fest zu Ehren des großmütigen Heerführers begangen. Die Damen waren mit dem Plane sehr zufrieden, nur behaupteten sie, es müsse notwendig etwas Allegorisches in dem Stücke sein, um es dem Herrn Grafen angenehm zu machen. Der Baron tat den Vorschlag, den Anführer der Soldaten als den Genius der Zwietracht und der Gewalttätigkeit zu bezeichnen; zuletzt aber müsse Minerva herbeikommen, ihm Fesseln anzulegen, Nachricht von der Ankunft des Helden zu geben und dessen Lob zu preisen. Die Baronesse übernahm das Geschäft, den  Grafen  zu  überzeugen,  daß  der  von  ihm  angegebene  Plan,  nur  mit  einiger  Veränderung, ausgeführt  worden  sei;  dabei  verlangte  sie  ausdrücklich,  daß  am  Ende  des  Stücks  notwendig  die Büste, der verzogene Namen und der Fürstenhut erscheinen müßten, weil sonst alle Unterhandlung vergeblich sein würde. Wilhelm, der sich schon im Geiste vorgestellt hatte, wie fein er seinen Helden aus dem Munde der  Minerva  preisen  wollte,  gab  nur  nach  langem  Widerstande  in  diesem  Punkte  nach,  allein  er fühlte  sich  auf  eine  sehr  angenehme  Weise  gezwungen.  Die  schönen  Augen  der  Gräfin  und  ihr liebenswürdiges Betragen hätten ihn gar leicht bewogen, auch auf d ie schönste und angenehmste Erfindung,  auf  die  so  erwünschte  Einheit  einer  Komposition  und  auf  alle  schicklichen  Details Verzicht  zu  tun  und  gegen  sein  poetisches  Gewissen  zu  handeln.  Ebenso  stand  auch  seinem bürgerlichen Gewissen ein harter Kampf bevor, indem bei bestimmterer Austeilung der Rollen die Damen ausdrücklich darauf bestanden, daß er mitspielen müsse. Laertes  hatte  zu  seinem  Teil  jenen  gewalttätigen  Kriegsgott  erhalten.  Wilhelm  sollte  den Anführer  der  Landleute  vorstellen,  der  einige  sehr  artige  und  gefühlvolle  Verse  zu  sagen  hatte. Nachdem er sich eine Zeitlang gesträubt, mußte er sich endlich doch ergeben; besonders fand er keine Entschuldigung, da die Baronesse ihm vorstellte, die Schaubühne hier auf dem Schlosse sei ohnedem  nur  als  ein  Gesellschaftstheater  anzusehen,  auf  dem  sie  gern,  wenn  man  nur  eine schickliche Einleitung machen könnte, mitzuspielen wünschte. Darauf entließen die Damen unsern Freund  mit  vieler  Freundlichkeit.  Die  Baronesse  versicherte  ihm,  daß  er  ein  unvergleichlicher Mensch sei, und begleitete ihn bis an die kleine Treppe, wo sie ihm mit einem Händedruck gute Nacht gab. Siebentes Kapitel Befeuert durch den aufrichtigen Anteil, den die Frauenzimmer an der Sache nahmen, ward der Plan,  der  ihm  durch  die  Erzählung  gegenwärtiger  geworden  war,  ganz  lebendig.  Er  brachte  den größten Teil der Nacht und den andern Morgen mit der sorgfältigsten Versifikation des Dialogs und der Lieder zu. Er  war  so  ziemlich  fertig,  als  er  in  das  neue  Schloß  gerufen  wurde,  wo  er  hörte,  daß  die Herrschaft, die eben frühstückte, ihn sprechen wollte. Er trat in den Saal, die Baronesse kam ihm wieder  zuerst  entgegen,  und  unter  dem  Vorwande,  als  wenn  sie  ihm  einen  guten  Morgen  bieten wollte,  lispelte  sie  heimlich  zu  ihm:  »Sagen  Sie  nichts  von  Ihrem  Stücke,  als  was  Sie  gefragt werden.« »Ich höre«, rief ihm der Graf zu, »Sie sind recht fleißig und arbeiten an meinem Vorspiele, das ich zu Ehren des Prinzen geben will. Ich billige, daß Sie eine Minerva darin anbringen wollen, und ich  denke  beizeiten  darauf,  wie  die  Göttin  zu  kleiden  ist,  damit  man  nicht  gegen  das  Kostüm 83
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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