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Wilhelm Meisters Lehrjahre

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Diese Verordnungen wurden wenig geachtet. Junge Offiziere gingen aus und ein, spaßten nicht eben auf das feinste mit den Aktricen, hatten die Akteure zum besten und vernichteten die ganze kleine  Polizeiordnung,  noch  ehe  sie  Wurzel  fassen  konnte.  Man  jagte  sich  durch  die  Zimmer, verkleidete sich, versteckte sich. Melina, der anfangs einigen Ernst zeigen wollte, ward mit allerlei Mutwillen auf das Äußerste gebracht, und als ihn bald darauf der Graf holen ließ, um den Platz zu sehen,  wo  das  Theater  aufgerichtet  werden  sollte,  ward  das  Übel  nur  immer  ärger.  Die  jungen Herren ersannen sich allerlei platte Späße, durch Hülfe einiger  Akteure wurden sie noch plumper, und es schien, als wenn das ganze alte Schloß vom wütenden Heere besessen sei; auch endigte der Unfug nicht eher, als bis man zur Tafel ging. Der Graf hatte Melinan in einen großen Saal geführt, der noch zum alten Schlosse gehörte, durch eine  Galerie  mit  dem  neuen  verbunden  war  und  worin  ein  kleines  Theater  sehr  wohl  aufgestellt werden konnte. Daselbst zeigte der einsichtsvolle Hausherr, wie er alles  wolle eingerichtet haben. Nun  ward  die  Arbeit  in  großer  Eile  vorgenommen,  das  Theatergerüste  aufgeschlagen  und ausgeziert, was man von Dekorationen in dem Gepäcke hatte und brauchen konnte, angewendet und das übrige mit Hülfe einiger geschickten Leute des Grafen verfertiget. Wilhelm griff selbst mit an, half die Perspektive bestimmen, die Umrisse abschnüren und war höchst beschäftigt, daß es nicht unschicklich werden sollte. Der Graf, der öfters dazukam, war sehr zufrieden damit, zeigte, wie sie das, was sie wirklich taten, eigentlich machen sollten, und ließ dabei ungemeine Kenntnisse jeder Kunst sehen. Nun fing das Probieren recht ernstlich an, wozu sie auch Raum und Muße genug gehabt hätten, wenn sie nicht von den vielen anwesenden Fremden immer gestört worden wären. Denn es kamen täglich neue Gäste an, und ein jeder wollte die Gesellschaft in Au genschein nehmen. Funftes Kapitel Der Baron hatte Wilhelmen einige Tage mit der Hoffnung hingehalten, daß er der Gräfin noch besonders vorgestellt werden sollte. »Ich habe«, sagte er, »dieser vortrefflichen Dame so viel von Ihren  geistreichen  und  empfindungsvollen  Stücken  erzählt,  daß  sie  nicht  erwarten  kann,  Sie  zu sprechen und sich eins und das andere vorlesen zu lassen. Halten Sie sich ja gefaßt, auf den ersten Wink  hinüberzukommen,  denn  bei  dem  nächsten  ruhigen  Morgen  werden  Sie  gewiß  gerufen werden.« Er bezeichnete ihm darauf das Nachspiel, welches er zuerst vorlesen sollte, wodurch er sich  ganz  besonders  empfehlen  würde.  Die  Dame  bedaure  gar  sehr,  daß  er  zu  einer  solchen unruhigen Zeit eingetroffen sei und sich mit der übrigen Gesellschaft in dem alten Schlosse schlecht behelfen müsse. Mit großer Sorgfalt nahm darauf Wilhelm das Stück vor, womit er seinen Eintritt in die große Welt machen sollte. »Du hast«, sagte er, »bisher im stillen für dich gearbeitet, nur von einzelnen Freunden Beifall erhalten; du hast eine Zeitlang ganz an deinem Talente verzweifelt, und du mußt immer noch in Sorgen sein, ob du denn auch auf dem rechten Wege bist und ob du soviel Talent als Neigung zum Theater hast. Vor den Ohren solcher geübten Kenner, im Kabinette, wo keine Illusion stattfindet, ist der Versuch weit gefährlicher als anderwärts, und ich möchte doch auch nicht gerne zurückbleiben, diesen Genuß an meine vorigen Freuden knüpfen und die Hoffnung auf die Zukunft erweitern.« Er  nahm  darauf  einige  Stücke  durch, las sie mit der größten Aufmerksamkeit, korrigierte hier und da, rezitierte sie sich laut vor, um auch in Sprache und Ausdruck recht gewandt zu sein, und steckte dasjenige, welches er am meisten geübt, womit er die größte Ehre einzulegen glaubte, in die Tasche, als er an einem Morgen hinüber vor die Gräfin gefordert wurde. Der  Baron  hatte  ihm  versichert,  sie  würde  allein  mit  einer  guten  Freundin  sein.  Als  er  in  das Zimmer trat, kam die Baronesse von C ihm mit vieler Freundlichkeit entgegen, freute sich, seine 80
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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