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Wilhelm Meisters Lehrjahre

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wurden,  die  unsere  Gäste  zur  Ruhe  bringen  sollten.  Nach  und  nach  kamen  Lichter,  jedoch  ohne Lichtputzen,   dann   einige   Stühle,   eine   Stunde   darauf   Deckbetten,   dann   Kissen,   alles   wohl durchnetzt,   und   es   war   schon   weit   über   Mitternacht,   als   endlich   Strohsäcke   und   Matratzen herbeigeschafft wurden, die, wenn man sie zuerst gehabt hätte, höchst willkommen gewesen wären. In  der  Zwischenzeit  war  auch  etwas  von  Essen  und  Trinken  angelangt,  das  ohne  viele  Kritik genossen wurde, ob es gleich einem sehr unordentlichen Abhub ähnlich sah und von der Achtung, die man für die Gäste hatte, kein sonderliches Zeugnis ablegte. Viertes Kapitel Durch die Unart und den Übermut einiger leichtfertigen Gesellen vermehrte sich die Unruhe und das Übel der Nacht, indem sie sich einander neckten, aufweckten und sich wechselsweise allerlei Streiche spielten. Der andere Morgen brach an, unter lauten Klagen über ihren Freund, den Baron, daß er sie so getäuscht und ihnen ein ganz anderes Bild von der Ordnung und Bequemlichkeit, in die sie kommen würden, gemacht habe. Doch zur Verwunderung und Trost erschien in aller Frühe der  Graf  selbst  mit  einigen  Bedienten  und  erkundigte  sich  nach  ihren  Umständen.  Er  war  sehr entrüstet,  als  er  hörte,  wie  übel  es  ihnen  ergangen,  und  der  Baron,  der  geführt  herbeihinkte, verklagte den Haushofmeister, wie befehlswidrig er sich bei dieser Gelegenheit gezeigt, und glaubte ihm ein rechtes Bad angerichtet zu haben. Der  Graf  befahl  sogleich,  daß  alles  in  seiner  Gegenwart  zur  möglichsten  Bequemlichkeit  der Gäste  geordnet  werden  solle.  Darauf  kamen  einige  Offiziere,  die  von  den  Aktricen  sogleich Kundschaft nahmen, und der Graf ließ sich die ganze Gesellschaft vorstellen, redete einen jeden bei seinem Namen an und mischte einige Scherze in die Unterredung, daß alle über einen so gnädigen Herrn ganz entzückt waren. Endlich mußte Wilhelm auch an die Reihe, an den sich Mignon anhing. Wilhelm entschuldigte sich, so gut er konnte, über seine Freiheit, der Graf hingegen schien seine Gegenwart als bekannt anzunehmen. Ein  Herr,  der  neben  dem  Grafen  stand,  den  man  für  einen  Offizier  hielt,  ob  er  gleich  keine Uniform  anhatte,  sprach  besonders  mit  unserm  Freunde und zeichnete sich vor allen andern aus. Große, hellblaue Augen leuchteten unter einer hohen Stirne hervor, nachlässig waren seine blonden Haare  aufgeschlagen,  und  seine  mittlere  Statur  zeigte  ein  sehr  wackres,  festes  und  bestimmtes Wesen. Seine Fragen waren lebhaft, und er schien sich auf alles zu verstehen, wonach er fragte. Wilhelm erkundigte sich nach diesem Manne bei dem Baron, der aber nicht viel Gutes von ihm zu sagen wußte. Er habe den Charakter als Major, sei eigentlich der Günstling des Prinzen, versehe dessen geheimste Geschäfte und werde für dessen rechten Arm gehalten, ja man habe Ursache zu glauben,  er  sei  sein  natürlicher  Sohn.  In  Frankreich,  England,  Italien  sei  er  mit  Gesandtschaften gewesen, er werde überall sehr distinguiert, und das mache ihn einbildisch; er wähne, die deutsche Literatur aus dem Grunde zu kennen, und erlaube sich allerlei schale Spöttereien gegen dieselbe. Er, der Baron, vermeide alle Unterredung mit ihm, und Wilhelm werde wohl tun, sich auch von ihm entfernt zu halten, denn am Ende gebe er jedermann etwas ab. Man nenne ihn Jarno, wisse aber nicht recht, was man aus dem Namen machen solle. Wilhelm hatte darauf nichts zu sagen, denn er empfand gegen den Fremden, ob er gleich etwas Kaltes und Abstoßendes hatte, eine gewisse Neigung. Die Gesellschaft wurde in dem Schlosse eingeteilt, und Melina befahl sehr strenge, sie sollten sich  nunmehr  ordentlich  halten,  die  Frauen  sollten  besonders  wohnen  und  jeder  nur  auf  seine Rollen,  auf  die  Kunst  sein  Augenmerk  und  seine  Neigung  richten.  Er  schlug  Vorschriften  und Gesetze,  die  aus  vielen  Punkten  bestanden,  an  alle  Türen.  Die  Summe  der  Strafgelder  war bestimmt, die ein jeder Übertreter in eine gemeine Büchse entrichten sollte. 79
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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