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Wilhelm Meisters Lehrjahre

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das Nützliche, das Wahre leiten, als der sich von so vielen Irrtümern in einem Alter überzeugen muß, wo es ihm noch an Kräften nicht gebricht, ein neues Leben anzufangen!« So rief unser Freund allen denenjenigen Glück zu, die sich in den höheren Regionen befinden; aber auch denen, die sich einem solchen Kreise nähern, aus diesen Quellen schöpfen können, und pries seinen Genius, der Anstalt machte, auch ihn diese Stufen hinanzuführen. Indessen mußte Melina, nachdem er lange sich den Kopf zerbrochen, wie er nach dem Verlangen des Grafen und nach seiner eigenen Überzeugung die Gesellschaft in Fächer einteilen und einem jeden seine bestimmte Mitwirkung übertragen wollte, zuletzt, da es an die Ausführung kam, sehr zufrieden  sein,  wenn  er  bei  einem  so  geringen  Personal  die  Schauspieler  willig  fand,  sich  nach Möglichkeit  in  diese  oder  jene  Rollen  zu  schicken.  Doch  übernahm  gewöhnlich  Laertes  die Liebhaber, Philine die Kammermädchen, die beiden jungen Frauenzimmer teilten sich in die naiven und zärtlichen Liebhaberinnen, der alte Polterer ward am besten gespielt. Melina selbst glaubte als Chevalier auftreten zu dürfen, Madame Melina mußte zu ihrem größten Verdruß in das Fach der jungen  Frauen,  ja  sogar  der  zärtlichen  Mutter  übergehen,  und  weil  in  den  neuern  Stücken  nicht leicht  mehr  ein  Pedant  oder  Poet,  wenn  er  auch  vorkommen  sollte,  lächerlich  gemacht  wird,  so mußte der bekannte Günstling des Grafen nunmehr die Präsidenten und Minister spielen, weil diese gewöhnlich als Bösewichter vorgestellt und im fünften Akte übel behandelt werden. Ebenso steckte Melina mit Vergnügen als Kammerjunker oder Kammerherr die Grobheiten ein, welche ihm von biedern  deutschen  Männern  hergebrachtermaßen  in  mehreren  beliebten  Stücken  aufgedrungen wurden,  weil  er  sich  doch  bei  dieser  Gelegenheit  artig  herausputzen  konnte  und  das  Air  eines Hofmannes, das er vollkommen zu besitzen glaubte, anzunehmen die Erlaubnis hatte. Es   dauerte   nicht   lange,   so   kamen   von   verschiedenen   Gegenden   mehrere   Schauspieler herbeigeflossen,  welche  ohne  sonderliche  Prüfung  angenommen,  aber  auch  ohne  sonderliche Bedingungen festgehalten wurden. Wilhelm, den Melina vergebens einigemal zu einer Liebhaberrolle zu bereden suchte, nahm sich der  Sache  mit  vielem  guten  Willen  an,  ohne  daß  unser  neuer  Direktor  seine  Bemühungen  in mindesten   anerkannte;   vielmehr   glaubte   dieser   mit   seiner   Würde   auch   alle   nötige   Einsicht überkommen  zu  haben;  besonders  war  das  Streichen  eine  seiner  angenehmsten  Beschäftigungen, wodurch  er  ein  jedes  Stück  auf  das  gehörige  Zeitmaß  herunterzusetzen  wußte,  ohne  irgendeine andere  Rücksicht  zu  nehmen.  Er  hatte  viel  Zuspruch,  das  Publikum  war  sehr  zufrieden,  und  die geschmackvollsten  Einwohner  des  Städtchens  behaupteten,  daß;  das  Theater  in  der  Residenz keinesweges so gut als das ihre bestellt sei. Drittes Kapitel Endlich  kam  die  Zeit  herbei,  daß  man  sich  zur  Überfahrt  schicken,  die  Kutschen  und  Wagen erwarten sollte, die unsere ganze Truppe nach dem Schlosse des Grafen hinüberzuführen bestellt waren.  Schon  zum  voraus  fielen  große  Streitigkeiten  vor,  wer  mit  dem  andern  fahren,  wie  man sitzen sollte. Die Ordnung und Einteilung ward endlich nur mit Mühe ausgemacht und festgesetzt, doch leider ohne Wirkung. Zur bestimmten Stunde kamen weniger Wagen, als man erwartet hatte, und  man  mußte  sich  einrichten.  Der  Baron,  der  zu  Pferde nicht lange hinterdrein folgte, gab zur Ursache an, daß im Schlosse alles in großer Bewegung sei, weil nicht allein der Fürst einige Tage früher   eintreffen   werde,   als   man   geglaubt,   sondern   weil   auch   unerwarteter   Besuch   schon gegenwärtig angelangt sei; der Platz gehe sehr zusammen, sie würden auch deswegen nicht so gut logieren, als man es ihnen vorher bestimmt habe, welches ihm außerordentlich leid tue. Man teilte sich in die Wagen, so gut es gehen wollte, und da leidlich Wetter und das Schloß nur einige Stunden entfernt war, machten sich die Lustigsten lieber zu Fuße auf den Weg, als daß sie die  Rückkehr  der  Kutschen  hätten  abwarten  sollen.  Die  Karawane  zog  mit  Freudengeschrei  aus, 76
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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