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Wilhelm Meisters Lehrjahre

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Ach werd ich erst einmal Einsam im Grabe sein, Da läßt sie mich allein! Wir  würden  zu  weitläufig  werden  und  doch  die  Anmut  der  seltsamen  Unterredung  nicht ausdrücken können, die unser Freund mit dem abenteuerlichen Fremden hielt. Auf alles, was der Jüngling zu ihm sagte, antwortete der Alte mit der reinsten Übereinstimmung durch Anklänge, die alle verwandten Empfindungen rege machten und der Einbildungskraft ein weites Feld eröffneten. Wer  einer  Versammlung  frommer  Menschen,  die  sich,  abgesondert  von  der  Kirche,  reiner, herzlicher und geistreicher zu erbauen glauben, beigewohnt hat, wird sich auch einen Begriff von der gegenwärtigen Szene machen können; er wird sich erinnern, wie der Liturg seinen Worten den Vers eines Gesanges anzupassen weiß, der die Seele dahin erhebt, wohin der Redner wünscht, daß sie ihren Flug nehmen möge, wie bald darauf ein anderer aus der Gemeinde in einer andern Melodie den  Vers  eines  andern  Liedes  hinzufügt  und  an  diesen  wieder  ein  dritter  einen  dritten  anknüpft, wodurch die verwandten Ideen der Lieder, aus denen sie entlehnt sind, zwar erregt werden, jede Stelle aber durch die neue Verbindung neu und individuell wird, als wenn sie in dem Augenblicke erfunden  worden  wäre;  wodurch  denn  aus  einem  bekannten  Kreise  von  Ideen,  aus  bekannten Liedern und Sprüchen für diese besondere Gesellschaft, für diesen Augenblick ein eigenes Ganzes entsteht,  durch  dessen  Genuß  sie  belebt,  gestärkt  und  erquickt  wird.  So  erbaute  der  Alte  seinen Gast,  indem  er  durch  bekannte  und  unbekannte  Lieder  und  Stellen  nahe  und  ferne  Gefühle, wachende  und  schlummernde,  angenehme  und  schmerzliche  Empfindungen  in  eine  Zirkulation brachte, von der in dem gegenwärtigen Zustande unsers Freundes das Beste zu hoffen war. Vierzehntes Kapitel Denn wirklich fing er auf dem Rückwege über seine Lage leb hafter, als bisher geschehen, zu denken an und war mit dem Vorsatze, sich aus derselben herauszureißen, nach Hause gelangt, als ihm der Wirt sogleich im Vertrauen eröffnete, daß Mademoiselle Philine an dem Stallmeister des Grafen eine Eroberung gemacht habe, der, nachdem er seinen Auftrag auf dem Gute ausgerichtet, in höchster  Eile  zurückgekommen  sei  und  ein  gutes  Abendessen  oben  auf  ihrem  Zimmer  mit  ihr verzehre. In  eben  diesem  Augenblicke  trat  Melina  mit  dem  Notarius  herein;  sie  gingen  zusammen  auf Wilhelms Zimmer, wo dieser, wiewohl mit einigem Zaudern, seinem Versprechen Genüge leistete, dreihundert Taler auf Wechsel an Melina auszahlte, welche dieser sogleich dem Notarius übergab und  dagegen  das  Dokument  über  den  geschlossenen  Kauf  der  ganzen  theatralischen  Gerätschaft erhielt, welche ihm morgen früh übergeben werden sollte. Kaum  waren  sie  auseinandergegangen,  als  Wilhelm  ein  entsetzliches  Geschrei  in  dem  Hause vernahm. Er hörte eine jugendliche Stimme, die zornig und drohend durch ein unmäßiges Weinen und Heulen durchbrach. Er hörte diese Wehklage von oben herunter an seiner Stube vorbei nach dem Hausplatze eilen. Als die Neugierde unsern Freund herunterlockte, fand er Friedrichen in einer Art von Raserei. Der   Knabe   weinte,   knirschte,   stampfte,   drohte   mit   geballten   Fäusten   und   stellte   sich   ganz ungebärdig vor Zorn und Verdruß, Mignon stand gegenüber und sah mit Verwunderung zu, und der Wirt erklärte einigermaßen diese Erscheinung. Der  Knabe  sei  nach  seiner  Rückkunft,  da  ihn  Philine  gut  aufgenommen,  zufrieden,  lustig  und munter  gewesen,  habe  gesungen  und  gesprungen  bis  zur  Zeit,  da  der  Stallmeister  mit  Philinen Bekanntschaft gemacht. Nun habe das Mittelding zwischen Kind und Jüngling angefangen, seinen Verdruß  zu  zeigen,  die  Türen  zuzuschlagen  und  auf  und  nieder  zu  rennen.  Philine  habe  ihm befohlen,  heute  abend  bei  Tische  aufzuwarten,  worüber  er  nur  noch  mürrischer  und  trotziger 68
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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