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Wilhelm Meisters Lehrjahre

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hohlen Bäume, über alles aber die nächtlichen Zigeunerszenen und das heimliche Gericht eine ganz unglaubliche  Wirkung.  Jeder  Schauspieler  sah  nun,  wie  er  bald  in  Helm  und  Harnisch,  jede Schauspielerin,  wie  sie  mit  einem  großen  stehenden  Kragen  ihre  Deutschheit  vor  dem  Publiko produzieren werde. Jeder wollte sich sogleich einen Namen aus dem Stücke oder aus der deutschen Geschichte zueignen, und Madame Melina beteuerte, Sohn oder Tochter, wozu sie Hoffnung hatte, nicht anders als Adelbert oder Mechtilde taufen zu lassen. Gegen den fünften Akt ward der Beifall lärmender und lauter, ja zuletzt, als der Held wirklich seinem Unterdrücker entging und der Tyrann gestraft wurde, war das Entzücken so groß, daß man schwur, man habe nie so glückliche Stunden gehabt. Melina, den der Trank begeistert hatte, war der lauteste,  und  da  der  zweite  Punschnapf  geleert  war  und  Mitternacht  herannahte,  schwur  Laertes hoch und teuer, es sei kein Mensch würdig, an diese Gläser jemals wieder eine Lippe zu setzen, und warf mit dieser Beteurung sein Glas hinter sich und durch die Scheiben auf die Gasse hinaus. Die übrigen  folgten  seinem  Beispiele,  und  ungeachtet  der  Protestationen  des  herbeieilenden  Wirtes wurde der Punschnapf selbst, der nach einen solchen Feste durch unheiliges Getränk nicht wieder entweiht werden sollte, in tausend Stücke geschlagen. Philine, der man ihren Rausch am wenigsten ansah,  indes  die  beiden  Mädchen  nicht  in  den  anständigsten  Stellungen  auf  dem  Kanapee  lagen, reizte   die   andern   mit   Schadenfreude   zum   Lärm.   Madame   Melina   rezitierte   einige   erhabene Gedichte, und ihr Mann, der im Rausche nicht sehr liebenswürdig war, fing an, auf die schlechte Bereitung des Punsches zu schelten, versicherte, daß er ein Fest ganz anders einzurichten verstehe, und ward zuletzt, als Laertes Stillschweigen gebot, immer gröber und lauter, so daß dieser, ohne sich lange zu bedenken, ihm die Scherben des Napfs an den Kopf warf und dadurch den Lärm nicht wenig vermehrte. Indessen war die Scharwache herbeigekommen und verlangte, ins Haus eingelassen zu werden. Wilhelm,  vom  Lesen  sehr  erhitzt,  ob  er  gleich nur wenig getrunken, hatte genug zu tun, um mit Beihülfe  des  Wirts  die  Leute  durch  Geld  und  gute  Worte  zu  befriedigen  und  die  Glieder  der Gesellschaft in ihren mißlichen Umständen nach Hause zu schaffen. Er warf sich, als er zurückkam, vom   Schlafe   überwältigt,   voller   Unmut   unausgekleidet   aufs   Bette,   und   nichts   glich   der unangenehmen Empfindung, als er des andern Morgens die Augen aufschlug und mit düsterm Blick auf die Verwüstungen des vergangenen Tages, den Unrat und die bösen Wirkungen hinsah, die ein geistreiches, lebhaftes und wohlgemeintes Dichterwerk hervorgebracht hatte. Eilftes Kapitel Nach einem kurzen Bedenken rief er sogleich den Wirt herbei und ließ sowohl den Schaden als die Zeche auf seine Rechnung schreiben. Zugleich vernahm er nicht ohne Verdruß, daß sein Pferd von Laertes gestern bei dem Hereinreiten dergestalt angegriffen worden, daß es wahrscheinlich, wie man   zu   sagen   pflegt,   verschlagen   habe   und   daß   der   Schmied   wenig   Hoffnung   zu   seinem Aufkommen gebe. Ein Gruß von Philinen, den sie ihm aus ihrem Fenster zuwinkte, versetzte ihn dagegen wieder in einen heitern Zustand, und er ging sogleich in den nächsten Laden, um ihr ein kleines Geschenk, das er ihr gegen das Pudermesser noch schuldig war, zu kaufen, und wir müssen bekennen, er hielt sich nicht in den Grenzen eines proportionierten Gegengeschenks. Er kaufte ihr nicht allein ein Paar sehr  niedliche  Ohrringe,  sondern  nahm  dazu  noch  einen  Hut  und  Halstuch  und  einige  andere Kleinigkeiten, die er sie den ersten Tag hatte verschwenderisch wegwerfen sehen. Madame Melina, die ihn eben, als er seine Gaben überreichte, zu beobachten kam, suchte noch vor Tische eine Gelegenheit, ihn sehr ernstlich über die Empfindung für dieses Mädchen zur Rede zu  setzen,  und  er  war  um  so  erstaunter, als er nichts weniger denn diese Vorwürfe zu verdienen glaubte. Er schwur hoch und teuer, daß es ihm keineswegs eingefallen sei, sich an diese Person, 61
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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