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Wilhelm Meisters Lehrjahre

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sie  es  tat,  die  Röte,  die  sie  durchs  Reiben  hervorgebracht  hatte,  für  die  hartnäckigste  Schminke halte. Man bedeutete sie, und sie ließ ab, und nachdem sie wieder zur Ruhe gekommen war, zeigte sich eine schöne braune, obgleich nur von wenigem Rot erhöhte Gesichtsfarbe. Durch die frevelhaften Reize Philinens, durch die geheimnisvolle Gegenwart des Kindes mehr, als  er  sich  selbst  gestehen  durfte,  unterhalten,  brachte  Wilhelm  verschiedene  Tage  in  dieser sonderbaren Gesellschaft zu und rechtfertigte sich bei sich selbst durch eine fleißige Übung in der Fecht- und Tanzkunst, wozu er so leicht nicht wieder Gelegenheit zu find en glaubte. Nicht wenig verwundert und gewissermaßen erfreut war er, als er eines Tages Herrn und Frau Melina ankommen sah, welche gleich nach dem ersten frohen Gruße sich nach der Direktrice und den übrigen Schauspielern erkundigten und mit großem Schrecken vernahmen, daß jene sich schon lange entfernt habe und diese bis auf wenige zerstreut seien. Das junge Paar hatte sich nach ihrer Verbindung, zu der, wie wir wissen, Wilhelm behülflich gewesen,  an  einigen  Orten  nach  Engagement  umgesehen,  keines  gefunden  und  war  endlich  in dieses Städtchen gewiesen worden, wo einige Personen, die ihnen unterwegs begegneten, ein gutes Theater gesehen haben wollten. Philinen wollte Madame Melina, und Herr Melina dem lebhaften Laertes, als sie Bekanntschaft machten, keinesweges gefallen. Sie wünschten die neuen Ankömmlinge gleich wieder los zu sein, und Wilhelm konnte ihnen keine günstigen Gesinnungen beibringen, ob er ihnen gleich wiederholt versicherte, daß es recht gute Leute seien. Eigentlich war auch das bisherige lustige Leben unsrer drei Abenteurer d urch die Erweiterung der  Gesellschaft  auf  mehr  als  eine  Weise  gestört;  denn  Melina  fing  im  Wirtshause  (er  hatte  in ebendemselben, in welchem Philine wohnte, Platz gefunden) gleich zu markten und zu quengeln an. Er  wollte  für  weniges  Geld  besseres  Quartier,  reichlichere  Mahlzeit  und  promptere  Bedienung haben. In kurzer Zeit machten Wirt und Kellner verdrießliche Gesichter, und wenn die andern, um froh zu leben, sich alles gefallen ließen und nur geschwind bezahlten, um nicht länger an das zu denken,   was   schon   verzehrt   war,   so   mußte   die   Mahlzeit,   die   Melina   regelmäßig   sogleich berichtigte, jederzeit von vorn wieder durchgenommen werden, so daß Philine ihn ohne Umstände ein wiederkäuendes Tier nannte. Noch verhaßter war Madame Melina dem lustigen Mädchen. Diese junge Frau war nicht ohne Bildung,  doch  fehlte  es  ihr  gänzlich  an  Geist  und  Seele.  Sie  deklamierte  nicht  übel  und  wollte immer  deklamieren;  allein  man  merkte  bald,  daß  es  nur  eine  Wortdeklamation  war,  die  auf einzelnen Stellen lastete und die Empfindung des Ganzen nicht ausdruckte. Bei diesem allen war sie nicht leicht jemanden, besonders Männern, unangenehm. Vielmehr schrieben ihr diejenigen, die mit ihr umgingen, gewöhnlich einen schönen Verstand zu: denn sie war, was ich mit einem Worte eine Anempfinderin nennen möchte; sie wußte einem Freunde, um dessen Achtung ihr zu tun war, mit   einer   besondern   Aufmerksamkeit   zu   schmeicheln,   in   seine   Ideen   so   lange   als   möglich einzugehen,  sobald  sie  aber  ganz  über  ihren  Horizont  waren,  mit  Ekstase  eine  solche  neue Erscheinung  aufzunehmen.  Sie  verstand  zu  sprechen  und  zu  schweigen  und,  ob  sie  gleich  kein tückisches  Gemüt  hatte,  mit  großer  Vorsicht  aufzupassen,  wo  des  andern  schwache  Seite  sein möchte. Sechstes Kapitel Melina hatte sich indessen nach den Trümmern der vorigen Direktion genau erkundigt. Sowohl Dekorationen  als  Garderobe  waren  an  einige  Handelsleute  versetzt,  und  ein  Notarius  hatte  den Auftrag von der Direktrice erhalten, unter gewissen Bedingungen, wenn sich Liebhaber fänden, in den Verkauf aus freier Hand zu willigen. Melina wollte die Sachen besehe n und zog Wilhelmen mit sich. Dieser empfand, als man ihnen die Zimmer eröffnete, eine gewisse Neigung dazu, die er sich 52
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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