Title:

Wilhelm Meisters Lehrjahre

Home
deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>|
  Wir empfehlen:       
 

Viertes Kapitel Als  er  in  einem  Wirtshause  auf  dem  Markte  abtrat,  ging  es  darin  sehr  lustig,  wenigstens  sehr lebhaft zu. Eine große Gesellschaft Seiltänzer, Springer und Gaukler, die einen starken Mann bei sich  hatten,  waren  mit  Weib  und  Kindern  eingezogen  und  machten,  indem  sie  sich  auf  eine öffentliche Erscheinung bereiteten, einen Unfug über den andern. Bald stritten sie mit dem Wirte, bald  unter  sich  selbst;  und  wenn  ihr  Zank  unleidlich  war,  so  waren  die  Äußerungen  ihres Vergnügens ganz und gar unerträglich. Unschlüssig, ob er gehen oder bleiben sollte, stand er unter dem Tore und sah den Arbeitern zu, die auf dem Platze ein Gerüst aufzuschlagen anfingen. Ein Mädchen, das Rosen und andere Blumen herumtrug, bot ihm ihren Korb dar, und er kaufte sich einen schönen Strauß, den er mit Liebhaberei anders band und mit Zufriedenheit betrachtete, als  das  Fenster  eines  an  der  Seite  des  Platzes  stehenden  andern  Gasthauses  sich  auftat  und  ein wohlgebildetes  Frauenzimmer  sich  an  demselben  zeigte.  Er  konnte  ungeachtet  der  Entfernung bemerken, daß eine angenehme Heiterkeit ihr Gesicht belebte. Ihre blonden Haare fielen nachlässig aufgelöst um ihren Nacken; sie schien sich nach dem Fremden umzusehen. Einige Zeit darauf trat ein Knabe, der eine Frisierschürze umgegürtet und ein weißes Jäckchen anhatte, aus der Türe jenes Hauses, ging auf Wilhelmen zu, begrüßte ihn und sagte: »Das Frauenzimmer am Fenster läßt Sie fragen, ob Sie ihr nicht einen Teil der schönen Blumen abtreten wollen?« – »Sie stehn ihr alle zu Diensten«, versetzte Wilhelm, indem er dem leichten Boten das Bouquet überreichte und zugleich der Schönen ein Kompliment machte, welches sie mit einem freundlichen Gegengruß erwiderte und sich vom Fenster zurückzog. Nachdenkend über dieses artige Abenteuer ging er nach seinem Zimmer die Treppe hinauf, als ein  junges  Geschöpf  ihn  entgegensprang,  das  seine  Aufmerksamkeit  auf  sich  zog.  Ein  kurzes seidnes Westchen mit geschlitzten spanischen Ärmeln knappe lange Beinkleider mit Puffen standen dem Kinde gar artig. Lange schwarze Haare waren in Locken und Zöpfen um den Kopf gekräuselt und gewunden. Er sah die Gestalt mit Verwunderung an und konnte nicht mit sich einig werden, ob er sie für einen Knaben oder für ein Mädchen erklären sollte. Doch entschied er sich bald für das letzte und hielt sie auf, da sie bei ihm vorbeikam, bot ihr einen guten Tag und fragte sie, wem sie angehöre,  ob  er  schon  leicht  sehen  konnte,  daß  sie  ein  Glied  der  springenden  und  tanzenden Gesellschaft sein müsse. Mit einem scharfen schwarzen Seitenblick sah sie ihn an, indem sie sich von ihm losmachte und in die Küche lief, ohne zu antworten. Als er die Treppe hinaufkam, fand er auf dem weiten Vorsaale zwei Mannspersonen, die sich im Fechten übten oder vielmehr ihre Geschicklichkeit aneinander zu versuchen schienen. Der eine war offenbar  von  der  Gesellschaft,  die  sich  im  Hause  befand,  der  andere  hatte  ein  weniger  wildes Ansehn.  Wilhelm  sah  ihnen  zu  und  hatte  Ursache,  sie  beide  zu  bewundern,  und  als  nicht  lange darauf  der  schwarzbärtige,  nervige  Streiter  den  Kampfplatz  verließ,  bot  der  andere  mit  vieler Artigkeit Wilhelmen das Rapier an. »Wenn  Sie  einen  Schüler«,  versetzte  dieser,  »in  die  Lehre  nehmen  wollen,  so  bin  ich  wohl zufrieden,  mit  Ihnen  einige  Gänge  zu  wagen.«  Sie  fochten  zusammen,  und  obgleich  der  Fremde dem Ankömmling weit überlegen war, so war er doch höflich genug zu versichern, daß alles nur auf Übung  ankomme:  und  wirklich  hatte  Wilhelm  auch  gezeigt,  daß  er  früher  von  einem  guten  und gründlichen deutschen Fechtmeister unterrichtet worden war. Ihre Unterhaltung ward durch das Getöse unterbrochen, mit welchem die bunte Gesellschaft aus dem Wirtshause auszog, um die Stadt von ihrem Schauspiel zu benachrichtigen und auf ihre Künste begierig zu machen. Einem Tambour folgte der Entrepreneur zu Pferde, hinter ihm eine Tänzerin auf  einem  ähnlichen  Gerippe,  die  ein  Kind  vor  sich  hielt,  das  mit  Bändern  und  Flintern  wohl herausgeputzt war. Darauf kam die übrige Truppe zu Fuß, wovon einige auf ihren Schultern Kinder, in    abenteuerlichen    Stellungen,    leicht    und    bequem    dahertrugen,    unter    denen    die    junge, schwarzköpfige, düstere Gestalt Wilhelms Aufmerksamkeit aufs neue erregte. 44
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>| 

Back to the topic sites:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/G/goethe

External Links to this site are permitted without prior consent.
   
  Home  |  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Impressum