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Wilhelm Meisters Lehrjahre

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Gespräch  woandershin  lenken,  vergebens!  er  widerstand  dem  Strome  nicht.  Auch  hier  übernahm die  ausdauernde  Freundschaft  wieder  ihr  Amt.  Er  ließ  den  heftigsten  Anfall  des  Schmerzens vorüber,  indem  er  durch  seine  stille  Gegenwart  eine  aufrichtige,  reine  Teilnehmung  am  besten sehen  ließ,  und  so  blieben  sie  diesen  Abend;  Wilhelm  ins  stille  Nachgefühl  des  Schmerzens versenkt  und  der  andere  erschreckt  durch  den  neuen  Ausbruch  einer  Leidenschaft,  die  er  lange bemeistert und durch guten Rat und eifriges Zureden überwältigt zu hab en glaubte. Drittes Kapitel Nach solchen Rückfällen pflegte Wilhelm meist nur desto eifriger sich den Geschäften und der Tätigkeit zu widmen, und es war der beste Weg, dem Labyrinthe, das ihn wiederanzulocken suchte, zu  entfliehen.  Seine  gute  Art,  sich  gegen  Fremde  zu  betragen,  seine  Leichtigkeit,  fast  in  allen lebenden  Sprachen  Korrespondenz  zu  führen,  gaben  seinem  Vater  und  dessen  Handelsfreunde immer  mehr  Hoffnung  und  trösteten  sie  über  die  Krankheit,  deren  Ursache  ihnen  nicht  bekannt geworden  war,  und  über  die  Pause,  die  ihren  Plan  unterbrochen  hatte.  Man  beschloß  Wilhelms Abreise  zum  zweitenmal,  und  wir  finden  ihn  auf  seinem  Pferde,  den  Mantelsack  hinter  sich, erheitert  durch  freie  Luft  und  Bewegung,  dem  Gebirge  sich  nähern,  wo  er  einige  Aufträge ausrichten sollte. Er   durchstrich   langsam   Täler   und   Berge   mit   der   Empfindung   des   größten   Vergnügens. Überhangende Felsen, rauschende Wasserbäche, bewachsene Wände, tiefe Gründe sah er hier zum erstenmal, und doch hatten seine frühsten Jugendträume schon in solchen Gegenden geschwebt. Er fühlte sich bei diesem Anblicke wieder verjüngt; alle erduldeten Schmerzen waren aus seiner Seele weggewaschen,  und  mit  völliger  Heiterkeit  sagte  er  sich  Stellen  aus  verschiedenen,  Gedichten, besonders   aus   dem   »Pastor   fido«   vor,   die   an   diesen   einsamen   Plätzen   scharenweis   seinem Gedächtnisse zuflossen. Auch erinnerte er sich mancher Stelle aus seinen eigenen Liedern, die er mit  einer  besondern  Zufriedenheit  rezitierte.  Er  belebte  die  Welt,  die  vor  ihm  lag,  mit  allen Gestalten  der  Vergangenheit,  und  jeder  Schritt  in  die  Zukunft  war  ihm  voll  Ahnung  wichtiger Handlungen und merkwürdiger Begebenheiten. Mehrere  Menschen,  die  aufeinanderfolgend  hinter  ihm  herkamen,  an  ihm  mit  einem  Gruße vorbeigingen  und  den  Weg  ins  Gebirge,  durch  steile  Fußpfade,  eilig  fortsetzten,  unterbrachen einigemal seine stille Unterhaltung, ohne daß er jedoch aufmerksam auf sie geworden wäre. Endlich gesellte sich ein gesprächiger Gefährte zu ihm und erzählte die Ursache der starken Pilgerschaft. »Zu  Hochdorf«,  sagte  er,  »wird  heute  abend  eine  Komödie  gegeben,  wozu  sich  die  ganze Nachbarschaft versammelt.« »Wie!«  rief  Wilhelm,  »in  diesen  einsamen  Gebirgen,  zwischen  diesen  undurchdringlichen Wäldern hat die Schauspielkunst einen Weg gefunden und sich einen Tempel aufgebaut? und ich muß zu ihrem Feste wallfahrten?« »Sie werden sich noch mehr wundern«, sagte der andere, »wenn Sie hören, durch wen das Stück aufgeführt wird. Es ist eine große Fabrik in dem Orte, die viel Leute ernährt. Der Unternehmer, der sozusagen von aller menschlichen Gesellschaft entfernt lebt, weiß seine Arbeiter im Winter nicht besser  zu  beschäftigen,  als  daß  er  sie  veranlaßt  hat,  Komödie  zu  spielen.  Er  leidet  keine  Karten unter  ihnen  und  wünscht  sie  auch  sonst  von  rohen  Sitten  abzuhalten.  So  bringen  sie  die  langen Abende  zu,  und  heute,  da  des  Alten  Geburtstag  ist,  geben  sie  ihm  zu  Ehren  eine  besondere Festlichkeit.« Wilhelm  kam  zu  Hochdorf  an,  wo  er  übernachten  sollte,  und  stieg  bei  der  Fabrik  ab,  deren Unternehmer auch als Schuldner auf seiner Liste stand. Als er seinen Namen nannte, rief der Alte verwundert aus: »Ei, mein Herr, sind Sie der Sohn des braven Mannes, dem ich so viel Dank und bis jetzt noch Geld schuldig bin? Ihr Herr Vater hat so 42
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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