Title:

Wilhelm Meisters Lehrjahre

Home
deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>|
  Wir empfehlen:       
 

Siebzehntes Kapitel Der Tag wollte nicht endigen, als Wilhelm, seinen Brief schön gefaltet in der Tasche, sich zu Marianen hinsehnte; auch war es kaum düster geworden, als er sich wider seine Gewohnheit nach ihrer Wohnung hinschlich. Sein Plan war: sich auf die Nacht anzumelden, seine Geliebte auf kurze Zeit  wieder  zu  verlassen,  ihr,  eh  er  wegginge,  den  Brief  in  die  Hand  zu  drücken  und  bei  seiner Rückkehr in tiefer Nacht ihre Antwort, ihre Einwilligung zu erhalten oder durch die Macht seiner Liebkosungen zu erzwingen. Er flog in ihre Arme und konnte sich an ihrem Busen kaum wieder fassen. Die Lebhaftigkeit seiner Empfindungen verbarg ihm anfangs, daß sie nicht wie sonst mit Herzlichkeit  antwortete;  doch  konnte  sie  einen  ängstlichen  Zustand  nicht  lange  verbergen;  sie schützte eine Krankheit, eine Unpäßlichkeit vor; sie beklagte sich über Kopfweh, sie wollte sich auf den  Vorschlag,  daß  er  heute  nacht  wiederkommen  wolle,  nicht  einlassen.  Er  ahnte  nichts  Böses, drang nicht weiter in sie, fühlte aber, daß es nicht die Stunde sei, ihr seinen Brief zu übergeben. Er behielt ihn bei sich, und da verschiedene ihrer Bewegungen und Reden ihn auf eine höfliche Weise wegzugehen  nötigten,  ergriff  er  im  Taumel  seiner  ungenügsamen  Liebe  eines  ihrer  Halstücher, steckte es in die Tasche und verließ wider Willen ihre Lippen und ihre Türe. Er schlich nach Hause, konnte aber auch da nicht lange bleiben, kleidete sich um und suchte wieder die freie Luft. Als er einige Straßen auf und ab gegangen war, begegnete ihm ein Unbekannter, der nach einem gewissen Gasthofe fragte; Wilhelm erbot sich, ihm das Haus zu zeigen; der Fremde erkundigte sich nach  dem  Namen  der  Straße,  nach  den  Besitzern  verschiedener  großen  Gebäude,  vor  denen  sie vorbeigingen,  sodann  nach  einigen  Polizeieinrichtungen  der  Stadt,  und  sie  waren  in  einem  ganz interessanten Gespräche begriffen, als sie am Tore des Wirtshauses ankamen. Der Fremde nötigte seinen  Führer,  hineinzutreten  und  ein  Glas  Punsch  mit  ihm  zu  trinken;  zugleich  gab  er  seinen Namen an und seinen Geburtsort, auch die Geschäfte, die ihn hierhergebracht hätten, und ersuchte Wilhelmen  um  ein  gleiches  Vertrauen.  Dieser  verschwieg  ebensowenig  seinen  Namen  als  seine Wohnung. »Sind Sie nicht ein Enkel des alten Meisters, der die schöne Kunst sammlung besaß?« fragte der Fremde. »Ja, ich bin’s. Ich war zehn Jahre, als der Großvater starb, und es schmerzte mich lebhaft, diese schönen Sachen verkaufen zu sehen.« »Ihr Vater hat eine große Summe Geldes dafür erhalten.« »Sie wissen also davon?« »O ja, ich habe diesen Sehatz noch in Ihrem Hause gesehen. Ihr Großvater war nicht bloß ein Sammler, er verstand sich auf die Kunst, er war in einer frühern, glücklichen Zeit in Italien gewesen und hatte Schätze von dort mit zurückgebracht, welche jetzt um keinen Preis mehr zu haben wären Er besaß treffliche Gemälde von den besten Meistern; man traute kaum seinen Augen, wenn man seine  Handzeichnungen  durchsah;  unter  seinen  Marmorn  waren  einige  unschätzbare  Fragmente; von  Bronzen  besaß  er  eine  sehr  instruktive  Suite;  so  hatte  er  auch  seine  Münzen  für  Kunst  und Geschichte zweckmäßig gesammelt; seine wenigen geschnittenen Steine verdienten alles Lob; auch war das Ganze gut aufgestellt, wenngleich die Zimmer und Säle des alten Hauses nicht symmetrisch gebaut waren.« »Sie  können  denken,  was  wir  Kinder  verloren,  als  alle  die  Sachen  heruntergenommen  und eingepackt wurden. Es waren die ersten traurigen Zeiten meines Lebens. Ich weiß noch, wie leer uns die Zimmer vorkamen, als wir die Gegenstände nach und nach verschwinden sahen, die uns von Jugend auf unterhalten hatten und die wir ebenso unveränderlich hielten als das Haus und die Stadt selbst.« »Wenn ich nicht irre, so gab Ihr Vater das gelöste Kapital in die Handlung eines Nachbars, mit dem er eine Art Gesellschaftshandel einging.« 33
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>| 

Back to the topic sites:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/G/goethe

External Links to this site are permitted without prior consent.
   
  Home  |  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Impressum