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Wilhelm Meisters Lehrjahre

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ihm auch so wunderbar vor, er wußte sich in seine Lage nicht zu finden. Er wollte sich ausziehen und  öffnete  seinen  Mantelsack;  mit  seinen  Nachtsachen  brachte  er  zugleich  den  Schleier  des Geistes  hervor,  den  Mignon  eingepackt  hatte.  Der  Anblick  vermehrte  seine  traurige  Stimmung. »›Flieh! Jüngling, flieh!‹« rief er aus, »was soll das mystische Wort heißen? was fliehen? wohin fliehen? Weit besser hätte der Geist mir zugerufen: ›Kehre in dich selbst zurück!‹« Er betrachtete die englischen Kupfer, die an der Wand in Rahmen hingen; gleichgültig sah er über die meisten hinweg, endlich fand er auf dem einen ein unglücklich strandendes Schiff vorgestellt: ein Vater mit seinen   schönen   Töchtern   erwartete   den   Tod   von   den   hereindringenden   Wellen.   Das   eine Frauenzimmer  schien  Ähnlichkeit  mit  jener  Amazone  zu  haben;  ein  unaussprechliches  Mitleiden ergriff unsern Freund, er fühlte ein unwiderstehliches Bedürfnis, seinem Herzen Luft zu machen, Tränen  drangen  aus  seinem  Auge,  und  er  konnte  sich  nicht  wieder  erholen,  bis  ihn  der  Schlaf überwältigte. Sonderbare Traumbilder erschienen ihm gegen Morgen. Er fand sich in einem Garten, den er als Knabe öfters besucht hatte, und sah mit Vergnügen die bekannten Alleen, Hecken und Blumenbeete wieder;  Mariane  begegnete  ihm,  er  sprach  liebevoll  mit  ihr  und  onne  Erinnerung  irgendeines vergangenen  Mißverhältnisses.  Gleich  darauf  trat  sein  Vater  zu  ihn en,  im Hauskleide;  und  mit vertraulicher Miene, die ihm selten war, hieß er den Sohn zwei Stühle aus dem Gartenhause holen, nahm Marianen bei der Hand und führte sie nach einer Laube. Wilhelm  eilte  nach  dem  Gartensaale,  fand  ihn  aber  ganz  leer,  nur  sah  er  Aurelien  an  dem entgegengesetzten Fenster stehen; er ging, sie anzureden, allein sie blieb unverwandt, und ob er sich gleich neben sie stellte, konnte er doch ihr Gesicht nicht sehen. Er blickte zum Fenster hinaus und sah in einem fremden Garten viele Menschen beisammen, von denen er einige sogleich erkannte. Frau Melina saß unter einem Baum und spielte mit einer Rose, die sie in der Hand hielt; Laertes stand neben ihr und zählte Gold aus einer Hand in die andere. Mignon und Felix lagen im Grase, jene ausgestreckt auf dem Rücken, dieser auf dem Gesichte. Philine trat hervor und klatschte über den Kindern in die Hände, Mignon blieb unbeweglich, Felix sprang auf und floh vor Philinen. Erst lachte er im Laufen, als Philine ihn verfolgte,  dann schrie er ängstlich, als der Harfenspieler mit großen, langsamen Schritten ihm nachging. Das Kind lief grade auf einen Teich los; Wilhelm eilte ihm nach, aber zu spät, das Kind lag im Wasser! Wilhelm stand wie eingewurzelt. Nun sah er die schöne Amazone an der andern Seite des Teichs, sie streckte ihre rechte Hand gege n das Kind aus und ging am Ufer hin, das Kind durchstrich das Wasser in gerader Richtung auf den Finger zu und folgte ihr nach, wie sie ging, endlich reichte sie ihm ihre Hand und zog es aus dem Teiche. Wilhelm war indessen näher gekommen, das Kind brannte über und über, und es fielen feurige Tropfen von ihm herab. Wilhelm war noch besorgter, doch die  Amazone nahm schnell einen weißen Schleier vom Haupte und bedeckte das Kind damit. Das Feuer war sogleich gelöscht. Als sie den Schleier aufhob, sprangen zwei Knaben hervor, die zusammen mutwillig hin und her spielten, als Wilhelm mit  der  Amazone  Hand  in  Hand  durch  den  Garten ging und in der Entfernung seinen Vater und Marianen  in  einer  Allee  spazieren  sah,  die  mit  hohen  Bäumen  den  ganzen  Garten  zu  umgeben schien.  Er  richtete  seinen  Weg  auf  beide  zu  und  machte  mit  seiner  schönen  Begleiterin  den Durchschnitt des Gartens, als auf einmal der blonde Friedrich ihnen in den Weg trat und sie mit großem  Gelächter  und  allerlei  Possen  aufhielt.  Sie  wollten  demungeachtet  ihren  Weg  weiter fortsetzen; da eilte er weg und lief auf jenes entfernte Paar zu; der Vater und Mariane schienen vor ihm  zu  fliehen,  er  lief  nur  desto  schneller,  und  Wilhelm  sah  jene  fast  im  Fluge  durch  die  Allee hinschweben. Natur und Neigung forderten ihn auf, jenen zu Hülfe zu kommen, aber die Hand der Amazone hielt ihn zurück. Wie gern ließ er sich halten! Mit dieser gemischten Empfindung wachte er auf und fand sein Zimmer schon von der hellen Sonne erleuchtet. Zweites Kapitel 209
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB: Mit Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz, BeurkundungsG, BGB-Informationspflichten-Verordnung, Einführungsgesetz, ... und Wohnungseigentumsgesetz
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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