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Wilhelm Meisters Lehrjahre

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viele  Menschen  beschäftiget  sind;  wenn  du  siehst,  wo  so  manches  herkommt,  wo  es  hingeht,  so wirst du es gewiß auch mit Vergnügen durch deine Hände gehen sehen. Die geringste Ware siehst du im Zusammenhange mit dem ganzen Handel, und eben darum hältst du nichts für gering, weil alles die Zirkulation vermehrt, von welcher dein Leben seine Nahrung zieht.« Werner,  der  seinen  richtigen  Verstand  in  dem  Umgange  mit  Wilhelm  ausbildete,  hatte  sich gewöhnt, auch an sein Gewerbe, an seine Geschäfte mit Erhebung der Seele zu denken, und glaubte immer, daß er es mit mehrerem Rechte tue als sein sonst verständiger und geschätzter Freund, de r, wie es ihm schien, auf das Unreellste von der Welt einen so großen Wert und das Gewicht seiner ganzen  Seele  legte.  Manchmal  dachte  er,  es  könne  gar  nicht  fehlen,  dieser  falsche  Enthusiasmus müsse zu überwältigen und ein so guter Mensch auf den rechten Weg zu bringen sein. In dieser Hoffnung fuhr er fort: »Es haben die Großen dieser Welt sich der Erde bemächtiget, sie leben in Herrlichkeit und Überfluß. Der kleinste Raum unsers Weltteils ist schon in Besitz genommen, jeder Besitz befestigt, Ämter und andere bürgerliche Geschäfte tragen wenig ein; wo gibt es nun noch einen rechtmäßigeren Erwerb, eine billigere Eroberung als den Handel? Haben die Fürsten dieser Welt  die  Flüsse,  die  Wege,  die  Häfen  in  ihrer  Gewalt  und  nehmen  von  dem,  was  durch-  und vorbeigeht, einen starken Gewinn: sollen wir nicht mit Freuden die Gelegenheit ergreifen und durch unsere Tätigkeit auch Zoll von jenen Artikeln nehmen, die teils das Bedürfnis, teils der Übermut den  Menschen  unentbehrlich  gemacht  hat?  Und  ich  kann  dir  versichern,  wenn  du  nur  deine dichterische    Einbildungskraft    anwenden    wolltest,    so    könntest    du    meine    Göttin    als    eine unüberwindliche Siegerin der deinigen kühn entgegenstellen. Sie führt freilich lieber den Ölzweig als das Schwert; Dolch und Ketten kennt sie gar nicht: aber Kronen teilet sie auch ihren Lieblingen aus, die, es sei ohne Verachtung jener gesagt, von echtem, aus der Quelle geschöpftem Golde und von Perlen glänzen, die sie aus der Tiefe des Meeres durch ihre immer geschäftigen Diener geholt hat.« Wilhelmen  verdroß  dieser  Ausfall  ein  wenig,  doch  verbarg  er  seine  Empfindlichkeit;  denn  er erinnerte sich, daß Werner auch seine Apostrophen mit Gelassenheit anzuhören pflegte. Übrigens war er billig genug, um gerne zu sehen, wenn jeder von seinem Handwerk aufs beste dachte; nur mußte man ihm das seinige, dem er sich mit Leidenschaft gewidmet hatte, unangefochten lassen. »Und dir«, rief Werner aus, »der du an menschlichen Dingen so herzlichen Anteil nimmst, was wird es dir für ein Schauspiel sein, wenn du das Glück, das mutige Unternehmungen begleitet, vor deinen Augen den Menschen wirst gewährt sehen! Was ist reizender als der Anblick eines Schiffes, das   von   einer   glücklichen   Fahrt   wieder   anlangt,   das   von   einem   reichen   Fange   frühzeitig zurückkehrt!   Nicht   der   Verwandte,   der   Bekannte,   der   Teilnehmer   allein,   ein   jeder   fremde Zuschauer  wird  hingerissen,  wenn  er  die  Freude  sieht,  mit  welcher  der  eingesperrte  Schiffer  ans Land springt, noch ehe sein Fahrzeug es ganz berührt, sich wieder frei fühlt und nunmehr das, was er dem falschen Wasser entzogen, der getreuen Erde anvertrauen kann. Nicht in Zahlen allein, mein Freund, erscheint uns der Gewinn; das Glück ist die Göttin der lebendigen Menschen, und um ihre Gunst  wahrhaftig  zu  empfinden,  muß  man  leben  und  Menschen  sehen,  die  sich  recht  lebendig bemühen und recht sinnlich genießen.« Eilftes Kapitel Es  ist  nun  Zeit,  daß  wir  auch  die  Väter  unsrer  beiden  Freunde  näher  kennenlernen;  ein  paar Männer von sehr verschiedener Denkungsart, deren Gesinnungen aber darin übereinkamen, daß sie den Handel für das edelste Geschäft hielten und beide höchst aufmerksam auf jeden Vorteil waren, den  ihnen  irgend  eine  Spekulation  bringen  konnte.  Der  alte  Meister  hatte  gleich  nach  dem  Tode seines    Vaters    eine    kostbare    Sammlung    von    Gemälden,    Zeichnungen,    Kupferstichen    und Antiquitäten ins Geld gesetzt, sein Haus nach dem neuesten Geschmacke von Grund aus aufgebaut 19
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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