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Wilhelm Meisters Lehrjahre

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den Geliebten fest; ja die Leidenschaft wuchs mit jedem Tage, wie die Gefahr, ihn zu verlieren, mit jedem Tage näherrückte. Dagegen  schwebte  Wilhelm  glücklich  in  höheren  Regionen,  ihm  war  auch  eine  neue  Welt aufgegangen, aber reich an herrlichen Aussichten. Kaum ließ das Übermaß der ersten Freude nach, so stellte sich das hell vor seine Seele, was ihn bisher dunkel durchwühlt hatte. »Sie ist dein! Sie hat sich  dir  hingegeben!  Sie,  das  geliebte,  gesuchte, angebetete Geschöpf, dir auf Treu und Glauben hingegeben; aber sie hat sich keinem Undankbaren überlassen.« Wo er stand und ging, redete er mit sich selbst; sein Herz floß beständig über, und er sagte sich in einer Fülle von prächtigen Worten die erhabensten Gesinnungen vor. Er glaubte den hellen Wink des Schicksals zu verstehen, das ihm durch  Marianen  die  Hand  reichte,  sich  aus  dem  stockenden,  schleppenden  bürgerlichen  Leben herauszureißen, aus dem er schon so lange sich zu retten gewünscht hatte. Seines Vaters Haus, die Seinigen zu verlassen schien ihm etwas Leichtes. Er war jung und neu in der Welt, und sein Mut, in ihren Weiten nach Glück und Befriedigung zu rennen, durch die Liebe erhöht. Seine Bestimmung zum Theater war ihm nunmehr klar; das hohe Ziel, das er sich vorgesteckt sah, schien ihm näher, indem er an Marianens Hand hinstrebte, und in selbstgefälliger Bescheidenheit erblickte er in sich den  trefflichen  Schauspieler,  den  Schöpfer  eines  künftigen  Nationaltheaters,  nach  dem  er  so vielfältig   hatte   seufzen   hören.   Alles,   was   in   den   innersten   Winkeln   seiner   Seele   bisher geschlummert  hatte,  wurde  rege.  Er  bildete  aus  den  vielerlei  Ideen  mit  Farben  der  Liebe  ein Gemälde  auf  Nebelgrund,  dessen  Gestalten  freilich  sehr  ineinanderflossen;  dafür  aber  auch  das Ganze eine desto reizendere Wirkung tat. Zehntes Kapitel Er saß nun zu Hause, kramte unter seinen Papieren und rüstete sich zur Abreise. Was nach seiner bisherigen  Bestimmung  schmeckte,  ward  beiseite  gelegt;  er  wollte  bei  seiner  Wanderung  in  die Welt auch von jeder unangenehmen Erinnerung frei sein. Nur Werke des Geschmacks, Dichter und Kritiker,   wurden   als   bekannte   Freunde   unter   die   Erwählten   gestellt;   und   da   er   bisher   die Kunstrichter sehr wenig genutzt hatte, so erneuerte sich seine Begierde nach Belehrung, als er seine Bücher  wieder  durchsah  und  fand,  daß  die  theoretischen  Schriften  noch  meist  unaufgeschnitten waren.  Er  hatte  sich,  in  der  völligen  Überzeugung  von  der  Notwendigkeit  solcher  Werke,  viele davon angeschafft und mit dem besten Willen in keines auch nur bis in die Hälfte sich hineinlesen können. Dagegen hatte er sich desto eifriger an Beispiele gehalten und in allen Arten, die ihm bekannt worden waren, selbst Versuche gemacht. Werner trat herein, und als er seinen Freund mit den bekannten Heften beschäftigt sah, rief er aus: »Bist du schon wieder über diesen Papieren? Ich wette, du hast nicht die Absicht, eins oder das andere zu vollenden! Du siehst sie durch und wieder durch und beginnst allenfalls etwas Neues.« »Zu vollenden ist nicht die Sache des Schülers, es ist genug, wenn  er sich übt.« »Aber doch fertigmacht, so gut er kann.« »Und doch ließe sich wohl die Frage aufwerfen, ob man nicht eben gute Hoffnung von einem jungen Menschen fassen könne, der bald gewahr wird, wenn er etwas Ungeschicktes unternommen hat, in der Arbeit nicht fortfährt und an etwas, das niemals einen Wert haben kann, weder Mühe noch Zeit verschwenden mag.« »Ich weiß wohl, es war nie deine Sache, etwas zustande zu bringen, du warst immer müde, eh es zur  Hälfte  kam.  Da  du  Direktor  unsers  Puppenspiels  warst,  wie  oft  wurden  neue  Kleider  für  die Zwerggesellschaft  gemacht,  neue  Dekorationen  ausgeschnitten?  Bald  sollte  dieses,  bald  jenes Trauerspiel aufgeführt werden, und höchstens gabst du einmal den fünften Akt, wo alles recht bunt durcheinanderging und die Leute sich erstachen.« 17
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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