Title:

Wilhelm Meisters Lehrjahre

Home
deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>|
  Wir empfehlen:       
 

Versuche, und es bleibt alles zusammen liegen. Dieses Fehlers muß ich mich auch anklagen. Die größte  Freude  lag  bei  mir  in  der  Erfindung  und  in  der  Beschäftigung  der  Einbildungskraft.  Dies oder jenes Stück interessierte mich um irgendeiner Szene willen, und ich ließ gleich wieder neue Kleider  dazu  machen.  Über  solchen  Anstalten  waren  die  ursprünglichen  Kleidungsstücke  meiner Helden in Unordnung geraten und verschleppt worden, daß also nicht einmal das erste große Stück mehr aufgeführt werden konnte. Ich überließ mich meiner Phantasie, probierte und bereitete ewig, baute  tausend  Luftschlösser  und  spürte  nicht  daß  ich  den  Grund  des  kleinen  Gebäudes  zerstört hatte.« Während dieser Erzählung hatte Mariane alle ihre Freundlichkeit gegen Wilhelm aufgeboten, um ihre Schläfrigkeit zu verbergen. So scherzhaft die Begebenheit von einer Seite schien, so war sie ihr doch zu einfach und die Betrachtungen dabei zu ernsthaft. Sie setzte zärtlich ihren Fuß auf den Fuß des Geliebten und gab ihm scheinbare Zeichen ihrer Aufmerksamkeit und ihres Beifalls. Sie trank aus  seinem  Glase,  und  Wilhelm  war  überzeugt,  es  sei  kein  Wort  seiner  Geschichte  auf  die  Erde gefallen. Nach einer kleinen Pause rief er aus: »Es ist nun an dir, Mariane, mir auch deine ersten jugendlichen   Freuden   mitzuteilen.   Noch   waren   wir   immer   zu   sehr   mit   dem   Gegenwärtigen beschäftigt,  als  daß  wir  uns  wechselseitig  um  unsere  vorige  Lebensweise  hätten  bekümmern können.  Sage  mir:  unter  welchen  Umständen  bist  du  erzogen?  Welche  sind  die  ersten  lebhaften Eindrücke, deren du dich erinnerst?« Diese  Fragen  würden  Marianen  in  große  Verlegenheit  gesetzt  haben,  wenn  ihr  die  Alte  nicht sogleich zu Hülfe gekommen wäre. »Glauben Sie denn«, sagte das kluge Weib, »daß wir auf das, was  uns  früh  begegnet,  so  aufmerksam  sind,  daß  wir  so  artige  Begebenheiten  zu  erzählen  haben und,  wenn  wir  sie  zu  erzählen  hätten,  daß  wir  der  Sache  auch  ein  solches  Geschick  zu  geben wüßten?« »Als  wenn  es  dessen  bedürfte!«  rief  Wilhelm  aus.  »Ich  liebe  dieses  zärtliche,  gute,  liebliche Geschöpf so sehr, daß mich jeder Augenblick meines Lebens verdrießt, den ich ohne sie zugebracht habe. Laß mich wenigstens durch die Einbildungskraft teil an deinem vergangenen Leben nehmen! Erzähle mir alles, ich will dir alles erzählen. Wir wollen uns wo möglich täuschen und jene für die Liebe verlornen Zeiten wiederzugewinnen suchen.« »Wenn   Sie   so   eifrig   darauf   bestehen,   können   wir   Sie   wohl   befriedigen«,   sagte   die   Alte. »Erzählen Sie uns nur erst, wie Ihre Liebhaberei zum Schauspiele nach und nach gewachsen sei, wie  Sie  sich  geübt,  wie  Sie  so  glücklich  zugenommen  haben,  daß  Sie  nunmehr  für  einen  guten Schauspieler gelten können. Es hat Ihnen dabei gewiß nicht an lustigen Begebenheiten gemangelt. Es ist nicht der Mühe wert, daß wir uns zur Ruhe legen, ich habe noch eine Flasche in Reserve; und wer weiß, ob wir bald wieder so ruhig und zufrieden zusammensitzen?« Mariane  schaute  mit  einem  traurigen  Blick  nach  ihr  auf,  den  Wilhelm  nicht  bemerkte  und  in seiner Erzählung fortfuhr. Siebentes Kapitel »Die  Zerstreuungen  der  Jugend,  da  meine  Gespanschaft  sich  zu  vermehren  anfing,  taten  dem einsamen, stillen Vergnügen Eintrag. Ich war wechselweise bald Jäger, bald Soldat, bald Reiter, wie es unsre Spiele mit sich brachten: doch hatte ich immer darin einen kleinen Vorzug vor den andern, daß  ich  imstande  war,  ihnen  die  nötigen  Gerätschaften  schicklich  auszubilden.  So  waren  die Schwerter meistens aus meiner Fabrik; ich verzierte und vergoldete die Schlitten, und ein geheimer Instinkt ließ mich nicht ruhen, bis ich unsre Miliz ins Antike umgeschaffen hatte. Helme wurden verfertiget,   mit   papiernen   Büschen   geschmückt,   Schilde,   sogar   Harnische   wurden   gemacht, Arbeiten,  bei  denen  die  Bedienten  im  Hause,  die  etwa  Schneider  waren,  und  die  Nähterinnen manche Nadel zerbrachen. 12
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>| 

Back to the topic sites:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/G/goethe

External Links to this site are permitted without prior consent.
   
  Home  |  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Impressum