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Wilhelm Meisters Lehrjahre

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finden auf selbiger den besten Weg. Sie führt uns nach der Stadt, wo ihr Bekanntschaften, Freunde vor euch seht und eine gute Aufnahme zu hoffen habt. Der Unweg bringt uns auch dahin, aber in welche schlimmen Wege verwickelt er uns, wie weit führt er uns ab! Können wir Hoffnung haben, uns in der späten Jahrszeit wieder herauszufinden, und was für Zeit und Geld werden wir indessen versplittern!« Er sagte noch viel und trug die Sache von so mancherlei vorteilhaften Seiten vor, daß ihre Furcht sich verringerte und ihr Mut zunahm. Er wußte ihnen so viel von der Mannszucht der regelmäßigen  Truppen  vorzusagen  und  ihnen  die  Marodeurs  und  das  hergelaufene  Gesindel  so nichtswürdig  zu  schildern  und  selbst  die  Gefahr  so  lieblich  und  lustig  darzustellen,  daß  alle Gemüter aufgeheitert wurden. Laertes war vom ersten Moment an auf seiner Seite und versicherte, daß er nicht wanken noch weichen  wolle.  Der  alte  Polterer  fand  wenigstens  einige  übereinstimmende  Ausdrücke  in  seiner Manier,   Philine   lachte   sie   alle   zusammen   aus,   und   da   Madame   Melina,   die,   ihrer   hohen Schwangerschaft  ungeachtet,  ihre  natürliche  Herzhaftigkeit  nicht  verloren  hatte,  den  Vorschlag heroisch fand, so konnte Melina, der denn freilich auf dem nächsten Wege, auf den er akkordiert hatte,  viel  zu  sparen  hoffte,  nicht  widerstehen,  und  man  willigte  in  den  Vorschlag  von  ganzem Herzen. Nun   fing   man   an,   sich   auf   alle   Fälle   zur   Verteidigung   einzurichten.   Man   kaufte   große Hirschfänger  und  hing  sie  an  wohlgestickten  Riemen  über  die  Schultern.  Wilhelm  steckte  noch überdies ein Paar Terzerole in den Gürtel; Laertes hatte ohnedem eine gute Flinte bei sich, und man machte sich mit einer hohen Freudigkeit auf den Weg. Den zweiten Tag schlugen die Fuhrleute, die der Gegend wohl kundig waren, vor: sie wollten auf einem waldigen Bergplatze Mittagsruhe halten, weil das Dorf weit abgelegen sei und man bei guten Tagen gern diesen Weg nähme. Die Witterung war schön, und jedermann stimmte leicht in den Vorschlag ein. Wilhelm eilte zu Fuß durch das Gebirge voraus, und über seine sonderbare Gestalt mußte jeder, der ihm begegnete, stutzig  werden.  Er  eilte  mit  schnellen  und  zufriedenen  Schritten  den  Wald  hinauf,  Laertes  pfiff hinter ihm drein, nur die Frauen ließen sich in den Wagen fortschleppen. Mignon lief gleichfalls nebenher,  stolz  auf  den  Hirschfänger,  den  man  ihr,  als  die  Gesellschaft  sich  bewaffnete,  nicht abschlagen konnte. Um ihren Hut hatte sie die Perlenschnur gewunden, die Wilhelm von Marianens Reliquien übrigbehalten hatte. Friedrich der Blonde trug die Flinte des Laertes, der Harfner hatte das friedlichste Ansehen. Sein langes Kleid war in den Gürtel gesteckt, und so ging er freier. Er stützte sich auf einen knotigen Stab, sein Instrument war bei den Wagen zurückgeblieben. Nachdem sie nicht ganz ohne Beschwerlichkeit die Höhe erstiegen, erkannten sie sogleich den angezeigten  Platz  an  den  schönen  Buchen,  die  ihn  umgaben  und  bedeckten.  Eine  große,  sanft abhängige Waldwiese lud zum Bleiben ein; eine eingefaßte Quelle bot die lieblichste Erquickung dar, und es zeigte sich an der andern Seite durch Schluchten und Waldrücken eine ferne, schöne und hoffnungsvolle Aussicht. Da lagen Dörfer und Mühlen in den Gründen, Städtchen in der Ebene, und neue, in der Ferne eintretende Berge machten die Aussicht noch hoffnungsvoller, indem sie nur wie eine sanfte Beschränkung hereintraten. Die ersten Ankommenden nahmen Besitz von der Gegend, ruhten im Schatten aus, machten ein Feuer  an  und  erwarteten  geschäftig,  singend  die  übrige  Gesellschaft,  welche  nach  und  nach herbeikam und den Platz, das schöne Wetter, die unaussprechlich schöne Gegend mit einem Munde begrüßte. Funftes Kapitel Hatte man oft zwischen vier Wänden gute und fröhliche Stunden zusammen genossen, so war man  natürlich  noch  viel  aufgeweckter  hier,  wo  die  Freiheit  des  Himmels  und  die  Schönheit  der 109
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB: Mit Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz, BeurkundungsG, BGB-Informationspflichten-Verordnung, Einführungsgesetz, ... und Wohnungseigentumsgesetz
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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